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Die stadtgeschichtliche Sammlung

Ofenkachel Stadtgeschichtliche Sammlung Hildesheim

Als 1844 eine Gruppe interessierter Bürger den „Verein für Kunde der Natur und der Kunst im Fürstenthum Hildesheim und der Stadt Goslar“ gründete, richtete sich ihr Interesse neben der Naturkunde auch auf die Kulturgeschichte der Region. Man stebte die Gründung eines Museums an, in dem außer geologischen Bodenproben und versteinerten Lebewesen auch archäologische, kunstgewerbliche und volkskundliche Objekte einen Platz finden sollten. Im Rechenschaftsbericht von 1845 heißt es: „Das Leben des Volkes in der Vergangenheit und in der Gegenwart zu erforschen, ist eine der wichtigsten Aufgaben des Vereins.“ Die stadtgeschichtliche Sammlung des Roemer-Museums, aus der das Stadtmuseum Hildesheim hervorgegangen ist, gehört daher zu den ältesten regionalhistorischen Institutionen Deutschlands.

In den ersten Jahrzehnten wuchsen die kulturgeschichtlichen Sammlungen des Vereins stetig an. Die regionale Ausrichtung wurde dabei schon bald von einem weltumspannenden Ansatz überlagert. Das Roemer-Museum wollte, wie sein Direktor Rudolf Hauthal 1914 rückblickend feststellte, „im kleinen ein Bild der Erde und ihrer Lebewesen einschließlich des Menschen und seiner Betätigung in Kunst und Kultur“ geben.

Einen eigenen Standort erhielten die regionalhistorischen Exponate der Roemer-Sammlung erst 1912. In diesem Jahr öffnete das Knochenhauer-Amtshaus nach einem grundlegenden Umbau als „Kunstgewerbehaus“ seine Tore. Außer der Fremdenverkehrszentrale und einem Geschäft, in dem ortsansässige Kunsthandwerker ihre Waren verkauften, beherbergte das prächtige Fachwerkhaus nun auch ein Museum. Diese Institution informierte allerdings nicht über die Geschichte des Hildesheimer Landes, sondern bestand aus einer Reihe von Stilzimmern, die künstlerische Epochen wie Rokoko und Empire anhand typischer Exponate veranschaulichten. Viele dieser Objekte stammten aus Hildesheimer Haushalten. In weiteren Räumen wurde eine nach Materialien wie Keramik, Holz und Eisen geordnete Übersicht über die Entwicklung des Kunsthandwerks geboten.

Während das Knochenhauer-Amtshaus 1945 den Bomben des Zweiten Weltkriegs zum Opfer fiel, blieb die rechtzeitig ausgelagerte Sammlung erhalten. Ein Neuanfang wurde im Fachwerkflügel des Roemer-Museums Am Steine gemacht, wo 1958 ein provisorisches „Heimatmuseum“ entstand. Es zeigte Objekte zur Ur- und Frühgeschichte der Region und informierte anhand von Modellen über die Stadtentwicklung Hildesheims. Die Exponate wurden nun nicht mehr nach stilistischen Kriterien geordnet, sondern unter Überschriften wie „Kochen und Backen“, „Licht und Feuer“ sowie „Altes Werkzeug“ als Zeugnisse der Alltagsgeschichte präsentiert. Diese auf einer sehr begrenzten Fläche eingerichtete Ausstellung wurde 1979 geschlossen.

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Das große Engagement der Hildesheimer Bürger für die Rückgewinnung des historischen Marktplatzes sorgte dafür, dass das Knochenhauer-Amtshaus in den Jahren 1986 bis 1989 wieder aufgebaut werden konnte. Im rekonstruierten Wahrzeichen der Stadt war nun Platz für eine neue Aufstellung der stadthistorischen Sammlung des Roemer-Museums. Am 22. März 1990, also genau 45 Jahre nach dem verheerenden Bombenangriff, der die Hildesheimer Innenstadt einäscherte, wurde das Stadtmuseum Hildesheim eingeweiht. Auf fünf Stockwerken entfaltet sich seitdem im Knochenhauer-Amtshaus ein kulturgeschichtliches Panorama der Hildesheimer Stadtgeschichte vom 15. bis zum frühen 20. Jahrhundert.

Nur ein kleiner Teil der stadtgeschichtlichen Sammlung kann in der Dauerausstellung des Stadtmuseums gezeigt werden. Insgesamt umfasst dieser Bestand etwa 40.000 Objekte. Den Schwerpunkt bilden nach wie vor die volkskundlichen und kunstgewerblichen Stücke, also Gegenstände aus Glas, Porzellan, Silber und Zinn sowie Werkzeuge, Möbel, Kleidung und Spielwaren. Dazu kommen Waffen und Uniformen, Münzen und Medaillen sowie Fotos und Postkarten. Ein interessanter Sonderbereich sind Architekturteile von Hildesheimer Holz- und Steinbauten. Viele davon wurden in den Jahren um 1900 beim Abriss von Fachwerkhäusern gesichert und im 1933 aufgelösten „Andreasmuseum“ ausgestellt, das sich in der Andreaskirche befand. Zur stadtgeschichtlichen Sammlung gehören auch zahlreiche Bodenfunde, die von Archäologen bei Grabungen im Hildesheimer Land geborgen wurden. Schließlich werden auch die Bestände der bildenden Kunst, also Gemälde, Skulpturen, Zeichnungen und Druckgraphiken, von der stadtgeschichtlichen Sammlung betreut.

Die stadtgeschichtliche Sammlung wächst auch weiterhin. Das Ziel besteht allerdings heute nicht mehr darin, eine komplette Epoche durch zeittypische Gegenstände abzubilden. Vielmehr bemühen wir uns darum, Objekte zu erwerben, die typisch für Hildesheim sind und aktuelle politische, soziale und wirtschaftliche Tendenzen in der Stadt reflektieren. Dies geschieht überwiegend durch Schenkungen, die im Kontakt mit relevanten Gruppen der Stadtgesellschaft zustande kommen.

Weitere historische Objekte aus der stadtgeschichtlichen Sammlung!

H 11571, zwischen 1945 und 1948

Das Stadtmuseum möchte auf weitere Objekte in der stadtgeschichtlichen Sammlung aufmerksam machen. Unter "Neu in der stadtgeschichtlichen Sammlung" wurde wieder eine Anzahl von Objekten eingestellt, die in den letzten Jahren in den Besitz der stadtgeschichtlichen Sammlung gelangt sind. Es handelt sich um Objekte zu den Themen: Hildesheimer Polizei, Ehrenringe der Stadt Hildesheim sowie die Firmen Dankwerth und Dost.