Hildesheimer Silberfund

Die wichtigste archäologische Entdeckung, die der Boden Hildesheims barg, machten preußische Soldaten, die 1868 einen Schießstand bauen wollten und dabei auf einen Hort von rund siebzig prächtigen silbernen Gefäßen stießen. Der „Hildesheimer Silberfund“ ist der bedeutendste Schatz aus römischer Zeit, der nördlich der Alpen gefunden wurde. Zwar beanspruchte die Antikensammlung in Berlin die Originale für sich, das Stadtmuseum kann jedoch qualitätvolle Nachbildungen zeigen, die schon bald nach der Entdeckung dieser Stücke in deutschen, englischen und französischen Manufakturen gefertigt wurden. Die reich verzierten Schalen, Becher und Kannen avancierten im Zeitalter des Historismus zu begehrten Vorbildern für das Kunstgewerbe.

Hildesheim als fürstbischöfliche Residenz

Die Herrschaft über das Fürstbistum Hildesheim lag seit 1573 überwiegend in den Händen von Bischöfen aus der Adelsfamilie der Wittelsbacher. Sie waren zumeist gleichzeitig Kurfürsten von Köln und bauten Schlösser in Bonn und Brühl. Da sie nur zu Kurzbesuchen nach Hildesheim reisten, konnte sich dort keine höfische Kultur entwickeln. Erst Fürstbischof Friedrich Wilhelm von Westphalen richtete 1763 wieder eine Residenz auf dem Domhof ein. Im kurz zuvor beendeten siebenjährigen Krieg waren Soldaten dort einquartiert gewesen, die alle Wertgegenstände entwendet hatten. Friedrich Wilhelm ließ den Domhof renovieren und ein Inventarium perpetuum (bleibendes Inventar) für die Hofhaltung anschaffen. Dazu zählte er: „das nötigste Kupfer, Zinnen, silbern Service, Linnen, feste Tapeten in den fürstlichen Zimmern, vier Hofkutschen und ein bischöfliches Ornat“.

Ein Service als Statussymbol

Die auch in der technischen Einrichtung mit hoher Qualität gearbeiteten Rechauds sind nicht mehr für die Verbrennung von Holzkohle eingerichtet, wie es besonders noch im 17. Jahrhundert der Fall war, sondern mit dem kurz vor der Wende zum 18. Jahrhundert eingeführten Spiritusbrenner ausgestattet. Sie hielten bei Tisch die Gerichte warm.

Ein teures und prächtiges Tafelservice aus Silber brachte das Prestige eines Herrschers zum Ausdruck. Deshalb war es ein unverzichtbarer Gegenstand für die standesgemäße Repräsentation. Friedrich Wilhelm bestellte sein Service in Augsburg, wo um 1750 die berühmtesten Handwerker tätig waren. Bernhard Heinrich Weyhe, Gottfried Bartermann, Abraham IV Drentwett und andere Silberschmiede erledigten diesen großen Auftrag gemeinsam. Das Set gilt heute als das am vollständigsten erhaltene, das in Augsburg im Rokoko-Stil geschaffen wurde. Das Service umfasst zwölf Dutzend Teller, 48 Platten, 16 Schüsseln, acht Terrinen, sechs Saucieren, vier Weinkühler, eine Fontäne mit Becken sowie drei kunstvoll gestaltete Tafelaufsätze. Ergänzt wird es durch Gewürzdöschen, Senftöpfe, Zuckerstreuer, Réchauds zum Wärmen der Speisen, Kerzenleuchter und zahlreiche andere Teile.

Die fürstliche Tafel

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Das Service kam täglich zweimal zum Einsatz: Um 13.00 Uhr bat Friedrich Wilhelm zum Mittagessen, bei dem sechzehn Speisen aufgetischt wurden. Abends um 20.00 Uhr standen sieben Speisen bereit. Seine Tafelgenossen waren die fünfzehn Domkapitularen sowie die Inhaber der drei Hofämter: der Obermarschall, der Oberstallmeister und der Oberjägermeister. Dazu kamen noch die Gäste, die der Fürstbischof einlud. Als das Fürstbistum Hildesheim 1802 an Preußen fiel, blieb das Service zunächst auf dem Domhof in Gebrauch. Erst 1825 gelangte es in den Besitz der Welfen. König Ernst August von Hannover ließ die Initialen EAR neben dem fürstbischöflichen Wappen anbringen. Das Silber kam 1981 bei Sotheby´s in Genf zur Auktion. Das Roemer- und Pelizaeus-Museum in Hildesheim und das Bayerische Nationalmuseum in München erwarben – unterstützt von Spenden aus der Bevölkerung – jeweils die Hälfte des fürstbischöflichen Geschirrs.