Das Zeitalter der Industrialisierung

Biedermeier Industrialisierung

Die aufkommende Industrialisierung prägte Hildesheim weniger stark als andere Städte. Pokale, Zunftladen und Siegel verdeutlichen im Stadtmuseum die fortdauernde Bedeutung der Handwerkerverbände.

Möbel aus Hildesheimer Bürgerhäusern stehen für die Wohnkultur des 19. Jahrhunderts. Das Biedermeier prägte die Zeit von 1815 bis 1848. Dieser Stil setzte nicht auf Repräsentation, sondern pflegte einen Kult der Bescheidenheit. Die Möbel haben glatte, unverzierte Flächen, die die Maserung des Holzes zur Geltung bringen. Klassizistische Säulen, Gesimse und Giebel vermitteln den Eindruck nobler Einfachheit. Ein runder Tisch bildete das Zentrum der Geselligkeit. Nur wenige andere Möbel gehörten ins Wohnzimmer: ein Sekretär, der auf die rege Briefkultur verweist, Vitrinen für Tassen und andere Sammlerstücke sowie ein für Handarbeiten genutztes Nähtischchen. Heute gilt das Biedermeier geradezu als Inbegriff der gemütlichen Wohnkultur des Bürgertums. Der Stil fand allerdings zuerst in den Schlössern Verbreitung, er ist also keine bürgerliche Protestbewegung gegen den Prunk des Adels und der Herrscher.

Sparherd Stadtmuseum im Knochenhauer-Amtshaus

In wirtschaftlicher, technischer und kultureller Hinsicht erlebte Hildesheim in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts einen beträchtlichen Wandel. 1846 fuhr die erste Dampflok von Hildesheim nach Lehrte. Der Anschluss an die wichtige Strecke Hannover-Kassel erfolgte 1855 durch eine Stichbahn nach Nordstemmen. Das Städtische Gaswerk nahm 1863 den Betrieb auf. Ein von der AEG erbautes Elektrizitätswerk kam 1904 hinzu. Ab 1884 wurde die Nordstadt als Gewerbegebiet entwickelt. Typische Produkte „made in Hildesheim“ sind im Stadtmuseum zu sehen, darunter ein „Sparherd“ der Firma Senking, die auch die Küche des Berliner Reichstages ausstattete.

Auch im Bereich der Kultur gab es Fortschritte: Bereits 1844 hatte der Senator Hermann Roemer mit Gleichgesinnten einen Museumsverein gegründet, der 1859 seine Schauräume in der Martinikirche eröffnete. Das Theater nahm 1909 den Spielbetrieb auf. Hildesheim knüpfte enge Beziehungen zu Wilhelm II., der bei seinem Besuch 1900 begeistert empfangen wurde. Die Baudenkmäler aus dem Mittelalter und der Renaissance wurden in der Zeit des Kaiserreichs aufwändig restauriert.

Die Straßenbahn

Hildesheim Straßenbahn Industrialisierung

Am 7. August 1905 fuhr die erste städtische Straßenbahn vom Hildesheimer Hauptbahnhof zum Moritzberg. Damit die Wagen das Zentrum durchqueren konnten, mussten einige Straßen der Altstadt verbreitert werden. Den Strom lieferte das 1904 ans Netz gegangene E-Werk. Bis 1916 verbanden weitere Linien den Hauptbahnhof mit dem Galgenberg und mit dem Zimmerplatz. Ab 1939 fuhren Omnibusse zum Hildesheimer Wald, wo in einem neu entstandenen Rüstungsbetrieb, den Trillke Werken, elektrische Anlagen für Kraftfahrzeuge, Panzer und Schiffe gebaut wurden.

Mit dem Bombenangriff auf Hildesheim am 22. März 1945 endete die Geschichte der städtischen Straßenbahn: Von den 24 Wagen brannten 19 vollständig aus, die übrigen wurden nach Osnabrück verkauft.   Nun hielt am Hauptbahnhof nur noch die „Rote 11“, eine Straßenbahnlinie, die nach Hannover führte und von der dort ansässigen ÜSTRA betrieben wurde. Diese Verbindung existierte von 1899 bis 1958. Der Besucher kann auf den Holzbänken einer Straßenbahn Platz nehmen, um eine filmische Reise durch das vergangene Straßenbild Hildesheims zu erleben.

Elise Bartels - Das Persönliche ist politisch!

Elise Bartels Frauen 1919 passive Wahlrecht Mitglied des Vorsteherkollegiums der Stadt Hildesheim Stadtrat

Im Reichstag wurde Hildesheim ab 1922 durch die Sozialdemokratin Elise Bartels vertreten. Dem Leben dieser couragierten Frau, die nach dem Ersten Weltkrieg die Arbeiterwohlfahrt mitbegründete, ist ein eigener Abschnitt der Dauerausstellung gewidmet.

Zwei neue Ausstellungsvitrinen zum Thema "Jugendsport bei Eintracht Hildesheim nach 1933"enthüllt!

Dr. Ralph Singelmann und Prof. Dr. Guy Stern

Der Nationalsozialismus und seine Auswirkungen auf den Sport. Zwei neue Vitrinen in Anwesenheit des Hildesheimer Ehrenbürgers Prof. Dr. Guy Stern und Dr. Ralph Singelmann enthüllt.

Unter dem Thema "Jugendsport bei Eintracht Hildesheim nach 1933" widmet sich das Stadtmuseum im Knochenhauer-Amtshaus in Kooperation mit Eintracht Hildesheim einem Thema, das bisher in der Dauerausstellung nur sehr marginal präsentiert wird.

Es geht um den rigorosen Ausschluss jüdischer Sportler und Sportlerinnen, hier in der Person und am Beispiel von Guy (Günther) Stern, aus den deutschen Sportvereinen ab 1933. Zudem wird die Indienstnahme des Sports im Sinne der NS-Ideologie am Beispiel von Eintracht Hildesheim thematisiert.

Im Mittelpunkt der Präsentation stehen die beiden Jungen Ralph Singelmann und Guy Stern. Beide gebürtige Hildesheimer, beide in ihrer frühen Jugend Mitglieder bei Eintracht Hildesheim. Doch beide machten ab 1933 unterschiedliche Erfahrungen in der vermeintlich harmlosen Welt des Vereinssports. Während der junge Ralph Singelmann als Aktiver im Turnen, Feldhandball und in der Leichtathletik seinem Sport auch während der NS-Diktatur ungehindert nachgehen konnte, musste Guy (Günther) Stern 1934 den Verein aufgrund seiner jüdischen Herkunft verlassen.

Am Donnerstag, 13. November 2014, wurden die beiden neuen Vitrinen von Dr. Singelmann und Prof. Dr. Stern in der Dauerausstellung des Stadtmuseums enthüllt.