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  • Neu in der stadtgeschichtlichen Sammlung

Erinnerung an die Firma Dankwerth

H 11453, unbekannt

Was auf den ersten Blick aussieht wie ein schlichter Kleiderbügel aus Holz, entpuppt sich als ein Erinnerungsstück der chemischen Reinigung und Färberei "Dankwerth" mit einer interessanten Geschichte. Die Firma in der Marktstraße 12 ging aus einem kleinen handwerklichen Betrieb hervor, der 1890 von August Dankwerth gegründet wurde.

Färbermeister Walter Gutmann, ein Jude, war seit 1911 Leiter und ab 1922 auch Teilhaber des Betriebs, der zu dieser Zeit drei bis vier Angestellte und etwa 40 Arbeiter und Arbeiterinnen umfaßte. In der Reichspogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 wurde Walter Gutmann verhaftet und in das Konzentrationslager nach Buchenwald gebracht. Der Familie Gutmanns gelang es 1939, über Großbritannien in die USA zu emigrieren.

Das Unternehmen Dankwerth wurde durch Wilhelm Eymer übernommen und "arisiert", d. h. Enteignung oder zwangsweiser Verkauf des jüdischen Besitzes an Nicht-Juden in der Regel unter Wert, und bestand weiter unter dem Namen "Dankwerth". In den 1960er Jahren entwickelte es sich zu den führenden seiner Branche im niedersächsischen Raum und beschäftigte etwa 100 Mitarbeiter in 25 Filialen sowie 60 Annahmestellen.

Gustav Gutmann, der Sohn von Walter Gutmann, stattete seinem Geburtsort Hildesheim erst viele Jahre später zahlreiche Besuche ab: So kehrte er erstmals 1998 zurück und trug sich ins "Goldene Buch" der Stadt ein. Außerdem hielt er mehrere Reden bei den Gedenkfeiern zur Reichspogromnacht am Lappenberg.

Standort: Zur Zeit in der Sonderausstellung "Abgestaubt und blankgeputzt" zu sehen.

Quellen: Hildesheimer Allgemeine Zeitung vom 21. Januar 2014 und Helmut von Jan, Hildesheim: Geschichte und Wirtschaft, München o.J. [1967], o.S.

80 Jahre alte Quittungen des Autohauses Dost

H 11455, 1935
H 11456, 1935

Im Jahr 2012 feierte die Firma Dost in Hildesheim ihr 80. Jubiläum. 1932 gründete Willy Dost die Firma Dost-Fahrzeuge an der Goslarschen Landstraße und schloss später, im Jahr 1949, einen Großhändlervertrag mit dem Volkswagenwerk in Wolfsburg. Der Schwerpunkt wurde die Entwicklung und Fertigung von Industriemotoren für Volkswagen.

Die stadtgeschichtliche Sammlung ist im Besitz von zwei Quittungen, die noch aus den Anfängen dieses Betriebs stammen. Beide Belege aus der Sammlung wurden von einem Herrn Ringling aus Hildesheim beglichen. Der erste stammt vom 30. April 1935 und bestätigt, daß Ringling eine Grundgebühr für den Führerschein in Höhe von damals 30 RM (Reichsmark) bezahlt hat. Das läßt die Vermutung zu, daß in jenen Jahren die Möglichkeit bestand, den Fahrschulunterricht bei der Firma Dost zu nehmen.

Durch die zweite Quittung wird diese Vermtung bestätigt. Hier geht es um einen Betrag in Höhe von 72,45 RM für 207 gefahrene Kilometer. Die Kilometerpauschale betrug 35 Reichspfennige pro gefahrenen Kilometer.

Standort: Depot

Quelle zu den Firmendaten: dost.de/wir/unternehmen/.

Ehrenring der Stadt Hildesheim für besondere Verdienste

H 10095.1, 1993
H 11465, 1981

Am 8. Februar 1965 hatte der Hildesheimer Stadtrat zum 20-jährigen Bestehen der kommunalen Selbstverwaltung nach dem Krieg die Stiftung eines Ehrenrings beschlossen. Er sollte an Ratsmitglieder vergeben werden, die mindestens zwölf, seit 1998 15, Jahre dem Rat angehörten oder die Ehrung durch besondere Leistungen verdient hätten. Nach dem Tod des Beliehenen verbleibt der Ring den Erben, allerdings darf er nicht mehr getragen oder verkauft werden.

Die erste Ehrenringverleihung fand am 29. November 1965 in der großen Rathaushalle statt. Seit 1965 wurden 52 Ehrenringe vergeben, 43 an Männer und 9 an Frauen. Zwei dieser Auszeichnungen befinden sich inzwischen im Besitz der stadtgeschichtlichen Sammlung. Die aus 750er Gold bestehenden Ringe wurden von der Hildesheimer Goldschmiede Th. Blume angefertigt und zeigen die Hildesheimer Jungfrau, das Stadtwappen sowie die Hildesheimer Rose.

Zum Einen wurden der Ehrenring und die dazugehörige Urkunde von Gerold Klemke (1938-2014) dem Stadtmuseum übergeben. Klemke wurde 1981 in den Stadtrat gewählt und war von 1981 bis 1991 Oberbürgermeister der Stadt Hildesheim. 1993 erhielt Klemke die Auszeichnung für seine 15-jährige Ratstätigkeit.

Beim zweiten handelt es sich um den Ehrenring von Ronald Kerner, der ihm 1981 aufgrund seiner 12-jährigen Mitgliedschaft im Stadtrat verliehen wurde. Als Kerner 1986 verstarb, gaben seine Erben den Ring der Stadt Hildesheim zurück, die ihn später dem Stadtmuseum überwies.

Standort: H 10095 ist zur Zeit in der Sonderausstellung "Abgestaubt und blankgeputzt" zu sehen.

Polizei-Brustschild in der stadtgeschichtlichen Sammlung

H 11571, zwischen 1945 und 1948

Auch ein Brustschild der Hildesheimer Polizei befindet sich im Besitz des Stadtmuseums. Es wurde von 1945 bis etwa 1948 in der britischen Zone bei den "Regierungsbezirks-Polizeien" und "Stadtkreis-Polizeien" zusammen mit einer weißen Armbinde getragen. Dazu war man zivil oder in die alten grünen Uniformen des Dritten Reichs gekleidet, die ab 1947 durch dunkelblaue Uniformen ersetzt wurden.

Das Brustschild ist 8,5 cm hoch und 7,3 cm breit und besteht aus Aluminium. Auf dem Schild befindet sich der Aufdruck "Hildesheim" und das Stadtwappen. Darunter ist die Zahl 337 zu sehen, welche die Dienstnummer des Beamten angibt, außerdem die Abkürzung R.B., die für Regierungsbezirk steht.

Standort: Depot

Eine weitere Rarität der Hildesheimer Polizei

H 11572.2, 1945/1946
H 11572.1

Bis zur Gründung des Landes Niedersachsen am 1. November 1946 wurden unter Einfluss der damaligen britischen Besatzungsmacht auch in Hildesheim zweisprachige Dienstmarken mit dem Stadtwappen getragen. Eine dieser Marken fand durch eine Schenkung ebenfalls ihren Weg ins Museum. Sie hat einen Durchmesser von 4,6 cm und besteht aus Aluminium.

Auf der Vorderseite findet sich der Aufdruck "Kriminalpolizei Hildesheim" mit dem Stadtwappen in der Mitte, unter diesem ist die Zahl 11, die Dienstnummer des Beamten, zu sehen.

Die Rückseite zeigt mittig die Beschriftung "Military Government 122 DET. No 11", in der Umschrift der Dienstmarke ist "Criminal Police Hildesheim" zu lesen.

Standort: Depot

 

 

 

Alte Hildesheimer Polizeidienstmarke

H 11570.1, zwischen 1850 und 1920
H 11570.2

Auf eine ungewöhnliche Weise fand diese Polizeimarke ihren Weg ins Museum: Ein Bürger hatte sie in Zeven im Landkreis Rotenburg (Niedersachsen) gefunden und bei der Kriminalpolizei in Bremervörde abgegeben. Auch nachdem die Marke in ihren Heimatort zurückkehrte und mehrere Nachforschungen angestellt wurden, ist nicht eindeutig zu sagen, wie sie nach Zeven gelangt ist und wem sie gehörte.

Die Dienstmarke trägt auf der Vorderseite den Titel "Polizei-Beamter" mit einer arabischen Eins darunter, auf der Rückseite findet man das Hildesheimer Stadtwappen und die Aufschrift "Polizei-Direction Hildesheim".

Die Schreibweise von Polizei mit "i" und nicht mit "y", Direction aber mit "c", sowie die runde Form der Dienstmarke deuten darauf hin, dass es sich um eine Marke zwischen 1850 und spätestens den frühen 1920er Jahren handeln muss. Außerdem lässt sich durch die Zahl Eins schließen, dass sie von höheren Beamten, möglicherweise sogar einem Polizeiinspektor oder dem Direktor der Polizei getragen wurde.

Warum diese Marke nicht wie aus Sicherheitsgründen üblich bei der Ausgabe neuer Modelle eingeschmolzen wurde, konnte nicht entschlüsselt werden.

Standort: Depot

"Hildesheims Siegellack war weltbekannt"

H 8295 Siegellackfabrik Witte vor 1904. Foto: Franz Heinrich Bödeker
H 11447.3, um 1900

"Hildesheims Siegellack war weltbekannt", so titelte die Hildesheimer Allgemeine Zeitung in ihrer Ausgabe vom 14./15. Mai 1955.

Dem Stadtmuseum wurden mehrere kunstvoll gestaltete Rahmen mit Siegellackmustern der ehemaligen Siegellackfabrik Johann Christian Witte und Nachfolger übergeben. Letzte Zeugnisse eines seit mehr als 70 Jahren in Hildesheim vergessenen Gewerbes.

1780 ließ sich der Fabrikant Johann Christian Witte im Haus am Neustädter Markt 649, später 53, nieder und begann dort mit der Herstellung von Siegellack. Um 1900 zog die Firma in die Marienburger Straße 141 um. Der letzte Hildesheimer Siegellackfabrikant, Gerhard Witte, übernahm die Firma 1931 und führte sie bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkriegs. Aus dessen Nachlass stammen die insgesamt drei liebevoll gefertigten Rahmen mit zahlreichen Mustern.

Bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts wurden nicht nur Briefe und Urkunden mit Siegellack versiegelt. Auch Apotheken und Weinhandlungen benötigten es zum Verschließen der Flaschen und Gefäße. Im Haushalt war Siegellack für Einmachzwecke unentbehrlich. In vielen Sorten und Farben kam es auf den Markt.

Gerichte, Vereine und viele andere Institutionen aus Deutschland und Europa bestellten ihren Siegellack ausschließlich bei der Firma Witte. Ein Beispiel für die Vielfalt der Siegellacke ist das Objekt mit der Inv. Nr. 11447.3. In der Mitte ist prominent das filigrane Siegel der "Gesellschaft für Pommersche Geschichte und Alterthumskunde 1824" platziert. Weitere Siegel stammen vom "Zweigverein des Deutschen Gewerbemuseums Magdeburg" und dem "Koenigl. Saechs. Gerichtsamt Chemnitz".

Standort: Zur Zeit in der Sonderausstellung "Abgestaubt und blankgeputzt" zu sehen.

Fotografie der Bäckerei & Konditorei Ohms

Inv. Nr. H 11448-0, 1933

Aus Kaiserslautern erreichte das Stadtmuseum diese gerahmte Fotografie zur Hildesheimer Geschichte. Es zeigt die Bäckerei und Konditorei Ohms, die sich 1933 in der Osterstraße 40 befand. Die Fotografie stammt aus dem Nachlaß der Bühnen- und Kostümbildnerin und Malerin Elly Ohms-Quennet (1909-1999). Der Bäcker und Konditor Alfred Ohms, war der Großvater von Elly Ohms-Quennet.

Als Widmung findet sich in Süterlin "Zur Silberhochzeit freundlichst gezeichnet Familie Aug. Gerke April 1933 - dem Jahre national. Erwachens."

Angefertigt wurde dieses Geschenk bei der Kunsthandlung und Bilderrahmung A. Sandtvos Jun. in der Marktstr. 12.

Standort: Depot

Neues Exponat zur Hildesheimer Wirtschaftsgeschichte

Inv. Nr. H 11451, Ende 1970er Jahre
Inv. Nr. H 9758-9_2, nach 1888

Als Schenkung von privater Seite bekam das Stadtmuseum diesen Gliedermeßstab, früher Zollstock, für die stadtgeschichtliche Sammlung überreicht. Es handelt sich um ein Werbegeschenk der Hildesheimer Maschinenfabrik Kattentidt aus den späten 1970er Jahren.

Der Betrieb wurde 1846 durch Johann Heinrich Kattentidt gegründet. Die "Eisengießerei, Maschinen- u. Brückenwaagen-Fabrik C[arl]. Kattentidt" befand sich von 1854 bis 1945 im ehemaligen Trinitatishospital am Andreasplatz 21. Bis 1888 hieß die Firma "Kattentidt & Kleucker". Mit dem Ausscheiden von Ernst Kleucker 1888 wurde Carl Kattentidt zum Alleininhaber, und der Firmenname wechselte zu "C. Kattentidt".

Die Produktpalette umfasste Dezimal- und Großwaagen, Großmisch- und Förderanlagen, Straßenbau-, Holzbearbeitungs- und Ziegeleimaschinen. Beim Luftangriff auf Hildesheim im März 1945 wurde auch die im ehemaligen Trinitatishospital befindliche Fabrik vollständig zerstört.

Der Urenkel des Gründers, Ernst Kattentidt, begann unter schwierigsten Bedingungen mit dem Wiederaufbau in gemieteten Räumen außerhalb der Stadt. Seit 1954 bestand wieder eine eigene Betriebsstätte, mit 3 Werkshallen und einem Verwaltungsgebäude, in der Bavenstedter Straße 95. Dort wurden Maschinen für die Ziegelindustrie sowie für die Obst- und Gemüse-Konservenindustrie gebaut, insbes. Aufgabe- und Dosierbunker, patentierte Steinefänger, Bürstenwaschmaschinen und Steilförderer.

Nach dem Tod von Ernst-Wolfgang Kattentidt 1989 beteiligte sich der Unternehmer Max Müller aus Hannover an dem Unternehmen. Er schloß die Betriebsstätte in Hildesheim und integrierte Kattentidt in die Firmengruppe Max Müller in Hannover. 1995 wurde Kattentidt mit Herbort fusioniert.

Standort: Zur Zeit in der Sonderausstellung "Abgestaubt und blankgeputzt" zu sehen.

Quelle u.a.: Helmut von Jan, Hildesheim: Geschichte und Wirtschaft, München o.J. [1967], o.S. sowie www.herbort-gmbh.de/geschichte_2.phtml

Neu in der Sammlung: Historisches Erläuterungsschild zum Hohnsen

Inv. Nr. H 11449.1, ab 1913
Inv. Nr. H 11449.2, nach 1945

Das kriegs- und witterungsbeschädigte Legendenschild zum Hohnsen war am Gebäude der alten Volksschule (bis Ende 2004 an der Fassade der heutigen HAWK, Hohnsen 1) angebracht und bei der Sanierung des Gebäudes abgenommen worden.

Das Schild gehört zu den ältesten Beschilderungen dieser Art in Hildesheim. 1913 machte die Firma Senking der Stadt ein Angebot über 120 weiße Emailschilder mit schwarzer Schrift. Eine Bestandsaufnahme aus dem Jahr 1959 durch Konrad Schieferdecker ergab 48 Schilder, die Erfassung von Frau Elisabeth Kampen 2004 noch 29 Schilder.

Das Zusatzschild zu der Straßenbezeichnung "Hohnsen" gehört mit zur Generation der ältesten Legendenschilder der Stadt Hildesheim. Es stellt ein wichtiges Zeugnis der jüngeren Stadtgeschichte dar.

Standort: Zur Zeit in der Sonderausstellung "Abgestaubt und blankgeputzt" zu sehen.

Humpen von 1818 für die stadtgeschichtliche Sammlung

Inv. Nr. H 11340, 19. Jahrhundert

Dank der Spende der Bau- und Zimmerer-Innung Hildesheim-Alfeld, konnte die stadtgeschichtliche Sammlung des Roemer-Museums um einen Maurerhumpen aus dem 19. Jahrhundert ergänzt werden.

Es handelt sich um einen Bierkrug mit Daumenheber aus Zinn. Neben den Gravuren "Vivat der Maurer" und "Hildesheim 1818", verweisen die auf dem Humpen eingravierten Werkzeuge wie Lot und Maß auf die typischen Maurer- und Steinhauerwerkzeuge.

Eine Besonderheit ist die eingravierte Jahreszahl 1818. Damit könnte es sich um eines der ersten Zeugnisse des Hildesheimer Handwerks in der stadtgeschichtlichen Sammlung handeln, das nach dem Übergang des Fürstentums Hildesheim an das Königreich Hannover entstanden ist.

Im Jahre 1813 vereinbarten die Königreiche Preußen und Hannover die Übernahme des Fürstentums Hildesheim durch das Königreich Hannover. Auf dem Wiener Kongreß wurde diese Vereinbarung bestätigt.

Standort: Depot