Das schönste Fachwerkhaus der Welt - Zwanzig Jahre Wiederaufbau des Knochenhauer-Amtshauses am Historischen Marktplatz

20 Jahre Knochenhauer-Amtshaus in Hildesheim

10. September 2009 bis 11. April 2010

„Man kann den Erdboden durchwandern und findet kein zweites wieder, was diesem Gebäude an Schönheit, Kraft der Konstruktion und Ornamentation gleich kommt.“

So lobend wie der französische Architekt und führende Restaurator von mittelalterlichen Bauwerken Eugène Emmanuel Viollet-le-Duc (1814-1879) haben sich viele Reisende über das Knochenhauer-Amtshaus geäußert.
Es wurde 1529 als Verkaufslager und Versammlungsstätte der Fleischer am Großen Markt errichtet. Das höchste Gebäude am Marktplatz (Giebelhöhe 26 m) war das sichtbare Zeichen der Macht und des Reichtums dieser Berufsgruppe. Um 1850 erkannte man den künstlerischen Wert des mittlerweile recht baufälligen Hauses. Die Stadt ließ es renovieren. Nacheinander wurden die Sparkasse, die Bibliothek und schließlich ein Heimatmuseum dort untergebracht.
Der Bombenangriff vom 22. März 1945 zerstörte das Knochenhauer-Amtshaus vollständig. In den folgenden Jahren wurden die Straßenzüge im Stil der Moderne neu bebaut. Der Marktplatz beherbergte einen großen Innenstadtparkplatz.

Karl Joseph, Vermessung der Knaggen am Knochenhauer-Amtshaus, Fotografie, 1988

Die hitzige Diskussion um den Wiederaufbau der zerstörten Baudenkmäler, die schon bald nach Kriegsende begonnen hatte, kam dadurch aber nicht zum Stillstand. Als die Sparkasse sich entschied, ihren Hauptsitz hinter der rekonstruierten Fassade des Wedekindhauses am Marktplatz einzurichten, gewann diese Debatte an Fahrt. Engagierte Bürger sorgten dafür, dass das Knochenhauer-Amtshaus möglichst originalgetreu wieder errichtet und am 29. November 1989 feierlich eröffnet werden konnte.

Das Stadtmuseum nimmt dieses Jubiläum zum Anlass, um die Geschichte des Knochenhauer-Amtshauses und seiner Umgebung vorzustellen. Modelle, Zeichnungen und Fotografien dokumentieren die Entwicklung des Historischen Marktplatzes. Diese Exponate eröffnen viele neue Blickwinkel für die Besucher. Auch das letzte erhaltene Originalteil des alten Fachwerkhauses wird in der Ausstellung präsentiert.

Der Wiederaufbau des Knochenhauer-Amtshauses fand deutschlandweit große Beachtung. Die Debatte um den Umgestülpten Zuckerhut in Hildesheim zeigt, wie kontrovers die Rekonstruktion von Architektur immer noch ist. Auch in vielen anderen Städten wird über dieses Thema gestritten. Die Ausstellung präsentiert laufende Projekte aus Berlin, Hannover, Frankfurt am Main und Nürnberg. Auf diese Weise wird das Knochenhauer-Amtshaus zum Ort der aktuellen Diskussion über den Umgang mit kriegszerstörten Bauten.