Hildesheim in 3-D. Stereofotos aus Alt-Hildesheim.

Rathaus Hildesheim in 3D

28. Mai bis 16. August 2009

Das Betrachten von Stereofotos war zwischen 1850 und 1960 ein beliebter Zeitvertreib. Die Bilder wurden in ein mit Linsen versehenes Stereoskop gesteckt und entfalteten so eine verblüffende räumliche Wirkung. Dieser 3-D-Effekt ist fast körperlich spürbar. Plötzlich wird deutlich, warum der Mensch zwei Augen hat.

Mit Stereofotos erlebten die faszinierten Betrachter eine Weltreise im eigenen Wohnzimmer. Karten und Glasplatten mit den Sehenswürdigkeiten aller Kontinente – von den Pyramiden von Giza über den Schiefen Turm von Pisa bis zum Eiffelturm in Paris – wurden in großen Stückzahlen vertrieben. Da Zeitungen erst seit 1910 Fotos abdrucken können und das Fernsehen erst nach 1950 Verbreitung fand, befriedigte die Stereoskopie nicht nur das Bedürfnis nach Unterhaltung, sondern auch nach Information.

Das malerische Hildesheim war ein beliebtes Motiv für Stereofotografen. Deutsche, französische, englische und amerikanische Verlage veröffentlichten Bilder, die die schönsten Straßen und Häuser der Stadt zeigen, darunter das Knochenhauer-Amtshaus, das Rathaus und den Umgestülpten Zuckerhut. Heute kann man mit diesen alten 3-D-Fotos einen virtuellen Rundgang durch die im Krieg zerstörte Fachwerk-Pracht unternehmen.

Umgestülpter Zuckerhut 3-D

Die Ausstellung im Stadtmuseum zeigt Stereofotos aus einer Hildesheimer Privatsammlung sowie aus der Stadtgeschichtlichen Sammlung des Roemer-Museums und aus dem Stadtarchiv Hildesheim. Sie werden in Plakatgröße ausgedruckt oder mit zwei Beamern auf eine Leinwand geworfen. Die Spezialbrillen zum Betrachten dieser Fotos erhalten die Besucher mit der Eintrittskarte. Sie erleben eine optische Sensation und lernen das alte Hildesheim von einer ganz neuen Seite kennen.

Außerdem bietet die Ausstellung einen Streifzug durch hundert Jahre Fototechnik – von einer der ersten um 1855 in Paris hergestellten Schiebekasten-Stereokamera bis zur handlichen BELPLASCA aus dem VEB Kamera und Kinowerk Dresden. Große Magazinbetrachter aus Holz und Messing, die ganze Stapel von Stereobildern enthielten, werden ebenso präsentiert wie bunte Taschenstereoskope, die Reklame für Kakao oder Zigaretten machten.

Der Hauptleihgeber der Ausstellung ist der Sammler und Stereofotograf Dipl.-Ing. Hannes Wirth. Er wurde 1963 in München geboren und lebt seit über zwanzig Jahren in Hildesheim, wo er als Holzbauingenieur tätig ist. Den Schwerpunkt seiner Sammlung von Stereofotos bilden Motive aus Alt-Hildesheim. Mit moderner Digitaltechnik fotografiert er aber auch selber eindrucksvolle Bilder in 3-D. Am 18. Juni 2009 wird er im Rahmen eines Vortrages im Stadtmuseum seine Stereofotos aus dem heutigen Hildesheim sowie Makroaufnahmen von Pflanzen und Tieren zeigen.

Die Ausstellung wurde großzügig gefördert durch die Sparkasse Hildesheim, die Hildesheimer Altstadtgilde e.V. und den Architekten Dipl-Ing. Heinz Geyer.

Das Buch zur Ausstellung

Stereokarte Hildesheimer Rathaus

Das Begleitbuch „Hildesheim in 3-D. Stereofotos aus Alt-Hildesheim“ enthält eine Auswahl der schönsten Stereofotos, die zwischen 1869 und 1930 in Hildesheim aufgenommen wurden. Sie werden sowohl im Original wie auch als „Anaglyphenbilder“ präsentiert, die in einem Spezialverfahren erzeugt wurden und eine verblüffende räumliche Wirkung entfalten. Die 3-D-Brille zum Betrachten der Stereofotos liegt bei. Deutsche, französische, englische und amerikanische Verlage veröffentlichten Stereokarten, die die malerischsten Straßen und Häuser Alt-Hildesheims zeigen, darunter das Knochenhauer-Amtshaus, das Rathaus und den Umgestülpten Zuckerhut. Heute kann man mit diesen 3-D-Fotos einen visuellen Rundgang durch die im Krieg zerstörte Fachwerk-Pracht unternehmen. Der Sammler Dipl.-Ing. Hannes Wirth schreibt über die Geschichte und die Technik der Stereoskopie von 1850 bis heute. Eine Technik, die besonders im 1900 ungeheure Popularität erlangt hatte.

Dipl.-Ing. Hannes Wirth: Hildesheim in 3-D. Stereofotos aus Alt-Hildesheim, hrsg. von Katja Lembke und Arnulf Siebeneicker, Hildesheim 2009, kartoniert, 128 Seiten, 150 Abbildungen 19,90 €, ISBN 3-938385-29-4 Erhältlich im Stadtmuseum und im Roemer- und Pelizaeus-Museum sowie im Buchhandel.