NEU: REKONSTRUKTION VS. MODERNE
30 Jahre Hildesheimer Marktplatz

17. Juli 2020 bis 31. Januar 2020

Der Hildesheimer Marktplatz: Ein Mythos?

Wer heute auf dem Hildesheimer Marktplatz steht, wird unweigerlich von seiner unvergleichlichen Atmosphäre gefangen genommen. Bereits Wilhelm von Humboldt bezeichnete den Marktplatz einst als den schönsten der Welt. Aber warum ist das so? Das einzigartige Erscheinungsbild liegt vor allem an seiner aus fünf Jahrhunderten stammende Architektursprache, die sich zu einem harmonischen Ganzen zusammen fügt.

Mit der Kriegszerstörung am 22. März 1945 hat Hildesheim nicht nur sein legendäres Stadtbild, sondern auch einen wichtigen Teil seiner Identität verloren. Der Marktplatz als pulsierende Mitte städtischen Lebens nahm hierbei eine Schlüsselrolle ein. Hildesheim entschied sich beim Wiederaufbau schließlich gegen die mittelalterlichen Strukturen und bewies den Mut, eine in die Zukunft orientierte Stadtgestaltung in Angriff zu nehmen. Auch der Marktplatz blieb von dieser Entscheidung nicht unberührt: Aus der "Guten Stube" wurde ein großzügig angelegtes Platzgefüge, das den Menschen zwar Großstadtflair versprach, aber kaum zum Verweilen einlud.

Nach heftig geführten Diskussionen, aber ohne große Wehmut trennte man sich nach drei Jahrzehnten von der Architektur der Nachkriegsmoderne. Erneut bewiesen die HildesheimerInnen Mut für eine radikale Veränderung und ließen mit der Rekonstruktion des historischen Marktplatzes Vergangenes wiederauferstehen.

Als im November 1989 mit der Fertigstellung des wiederaufgebauten Knochen- hauer-Amtshauses der Marktplatz zwar neustrukturiert, aber mit altem Angesicht seine Vollendung erfuhr, erhielt Hildesheim nach 44 Jahren seinen Sehnsuchtsort zurück. Erst jetzt wurde den Bewohnern dieser Stadt bewusst, was sie bisher schmerzlich vermisst hatten: Eine wohnliche Mitte, ein Platz mit Atmosphäre, auf dem man sich trifft und gepflegt entspannen kann. Mit einem großen Fest im April 1990 erfolgte dann die offizielle Eröffnung des historischen Marktplatzes.

Diese Ausstellung versteht sich als geschichtliches Mosaik, in dem künstlerische Ansichten, dokumentarische Fotos, außergewöhnliche Objekte und Modelle aus der stadtgeschichtlichen Sammlung des Roemer- und Pelizaeus-Museums dazu beitragen, sich der wechselvollen Geschichte des Marktplatzes anzunähern.